neugenutzt. Neuigkeiten zur Transformation großer Handelsimmobilien

Ausgabe 01/2022

© ERCO GmbH, www.erco.com, Fotografie: Lukas Palik, Düsseldorf

Liebe Leser*innen,

neugenutzt, das ist der neue Newsletter aus dem ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, wenn es speziell um die Umnutzung großer Einzelhandelsimmobilien geht. Mit engem thematischen Fokus, sorgfältig kuratierten aktuellen Informationen und in überschaubarer Länge möchten wir Sie auf dem Laufenden halten und mit hilfreichen Tipps zur Umnutzung Ihrer nachnutzungsbedürftigen Immobilien unterstützen!

Den Newsletter stellen wir explizit den Kommunen zur Verfügung, die im Rahmen des Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in Nordrhein-Westfalen über das Unterstützungspaket Einzelhandelsgroßimmobilien gefördert werden bzw. die Mitglieder in der Erfahrungsaustauschrunde Große Handelsimmobilien sind.

Sie erwartet – vorerst bis Dezember 2023 – alle zwei Monate ein Newsletter, in dem wir jeweils ein spannendes Redevelopment vorstellen, themenbezogene Neuigkeiten zusammenfassen und Studien und Veranstaltungen zum Thema ankündigen. Mit kurzen Umfragen möchten wir mit Ihnen in Kontakt bleiben und erfahren, ob und wie wir Ihnen Unterstützung anbieten können.

Unser Projekt des Monats ist das CORE in Oldenburg. Das Foto in unserem Header zeigt die positive Wirkung der Umnutzung auf die Belebung des öffentlichen Raums! Erfahren Sie im Folgenden mehr über die Transformation der Immobilie.

Melden Sie sich gern bei uns, wenn Sie konkrete Fragen zum Thema haben! Teilen Sie uns mit, wie Sie den Newsletter finden und was wir eventuell künftig besser machen könnten.

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören und wünschen eine angenehme Lektüre!

Nina Hangebruch (ILS)

© CO/RE Coinnovation & Recreation GmbH, Fotografie: Ulf Duda, Oldenburg

© CO/RE Coinnovation & Recreation GmbH, Fotografie: Ulf Duda, Oldenburg

CORE Oldenburg: Co-Working, Meetings, Events, Streetfood und mehr

Im vergangenen Jahr hat in Oldenburg ein spannendes Mixed-Use-Konzept in einem ehemaligen Hertie-Warenhaus am Rande des Hauptgeschäftszentrums eröffnet. Das Gebäude mit ursprünglich 20.000 qm Verkaufsfläche wurde 1959 eröffnet, die Warenhausnutzung aber bereits zu Beginn der 1990er Jahre aufgegeben. Es folgten eine Spielhalle, das Einkaufszentrum City Center Oldenburg (CCO) – 2005 ergänzt um ein Hotel und ein Fitnessstudio – und ein langjähriger Leerstand der Verkaufsflächen, der u. a. zu Trading-Down-Effekten im Umfeld führte. Während das Hotel und das Fitnessstudio weiter in Betrieb sind, war eine Einzelhandelsnutzung an diesem Standort angesichts des ohnehin bestehenden Überangebots an Verkaufsflächen in der Oldenburger Innenstadt nicht länger zielführend.

Die Umnutzung zu einem Co-Working-Space mit Gastronomie und Eventflächen und die Ansiedlung der Oldenburgischen Landesbank OLB mit 250 Mitarbeitenden ist durch ein hohes Maß an Diversität und Nutzungsmischung geprägt. Zur Umnutzung des Bestandsgebäudes wurde die Immobilie bis auf den Rohbau entkernt, um den Grundriss neu zu strukturieren. Die in den 1990er Jahren erstellte gläserne Fassade des alten Einkaufszentrums blieb dabei erhalten. Im Erdgeschoss der Immobilie findet sich nun eine Markthalle mit Streetfood-Ständen, Bar und Eventflächen für Vorträge und Lesungen, Partys und Präsentationen, Kunst und Kultur und wechselnde DJ-Sessions, Afterwork-Specials, Kochkurse und Workshops. Die multifunktionale Nutzung schafft immer wieder neue Besuchsanreize und zieht regelmäßig wechselnde Zielgruppen an. Hier finden auch kreative Einzelhändler mit Showrooms und urbane Manufakturen Raum. Die Sitzplätze im Außenbereich werden sehr gut genutzt und haben zu einer spürbaren Belebung des öffentlichen Raums geführt.

Das Co-Working-Angebot umfasst 150 feste und flexible Arbeitsplätze, abschließbare Büroräume, kleinere Eventflächen und Seminarräume und richtet sich u. a. an Freiberufler*innen, Gründer*innen und Studierende sowie an Unternehmen vor Ort mit temporärem Flächenbedarf. Die neue Nutzung soll die überregionale Sichtbarkeit für den Standort Oldenburg stärken und die Kreativszene, die es sonst in größere Städte wie Hamburg oder Berlin zieht, in Oldenburg halten. Das vielfältige Angebot und die verschiedenen Formen der Begegnung, Kreativität und Kollaboration fördern die Vernetzung der Nutzer*innen.

Die Umnutzung der Immobilie erfolgte ohne öffentliche Förderung vor allem durch privatwirtschaftliche Initiative einer lokalen Investorengruppe aus fünf mittelständischen Unternehmen rund um den in Oldenburg ansässigen Architekten und Projektentwickler Alexis Angelis. Die ko-produktive und identitätsstiftende Dimension des Projekts wird durch eine Crowdfunding Kampagne unterstrichen, an der sich verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen und Privatpersonen sowie große und kleine Unternehmen und Wissenschaftsinstitutionen beteiligt haben.

Weitere Infos zum Projekt finden sich hier.

© CO/RE Coinnovation & Recreation GmbH, Fotografie: Ulf Duda, Oldenburg

© CO/RE Coinnovation & Recreation GmbH, Fotografie: Ulf Duda, Oldenburg

© ERCO GmbH, www.erco.com, Fotografie: Lukas Palik, Düsseldorf

© ERCO GmbH, www.erco.com, Fotografie: Lukas Palik, Düsseldorf

© ERCO GmbH, www.erco.com, Fotografie: Lukas Palik, Düsseldorf

© ERCO GmbH, www.erco.com, Fotografie: Lukas Palik, Düsseldorf

© Nina Hangebruch/ILS

© Nina Hangebruch/ILS

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41 Karstadt- und Kaufhof-Filialen bundesweit sind Ende 2020 aufgegeben worden. Erst an sieben Standorten ist wieder eine Nachnutzung realisiert worden. Während hier in aller Regel wieder ein großflächiger Mieter aus dem Einzelhandel eingezogen ist, erfordern komplexe Umstrukturierungen für einzelhandelsfremde Nutzungen ihre Zeit. Rund fünf Jahre dauert es im Schnitt bis eine ehemalige Warenhausimmobilie wieder nachgenutzt ist. Für die Kommunen kommt es darauf an, diese lange Zeit zu überbrücken, um Trading-Down-Effekte zu verhindern.

Handlungsbedarf ist auch bei den Ende 2020 aufgegebenen Karstadt-Sports-Filialen gefragt. In Hamburg ist nun die Zwischennutzung des prominent am Eingang der Mönckebergstraße gegenüber vom Hauptbahnhof gelegenen Sporthauses auf den Weg gebracht worden: Dort ziehen vorübergehend Künstler*innen ein.

Die von der Stadt geförderte Hamburg Kreativ Gesellschaft hat das fünfstöckige Gebäude mit ehemals rd. 8.000 m² Verkaufsfläche von Juni bis Dezember 2022 vom Immobilieneigentümer, der R+V Versicherung, gegen Übernahme der laufenden Betriebs- und Nebenkosten angemietet und stellt die Flächen gegen einen Beitrag von 1,50 Euro pro m² und Monat der Hamburger Kultur- und Kreativszene zur Verfügung, um die Potenziale der Branche in der Innenstadt vorzustellen. Finanziert wird das Projekt über das aus Mitteln der Stadt zur Bewältigung der Corona-Krise finanzierte Programm „Frei_Fläche“, das zur Realisierung kreativer Zwischennutzungen mit insgesamt 9 Mio. Euro ausgestattet ist.

ARTSTADT präsentiert im Erdgeschoss diverse Ausstellungen wechselnder lokaler, internationaler und zeitgenössischer Künstler*innen. Eine Bar, DJ-Sets, Ateliers, Co-Working-Spaces, Produktionsstätten, wechselnde Workshops und Veranstaltungen – von Diskussionsforen bis zur Roller-Disco – ergänzen das Angebot. Noch sind nicht alle Ebenen der sechsgeschossigen Immobilie genutzt, aber die Zahl der Nutzer*innen nimmt stetig zu. Im August findet das Internationale Sommerfestival von Kampnagel im Gebäude statt, im November das Creative Gaming Festival Play. Testflächen für neue Store-Konzepte der Kunst- und Kreativwirtschaft sollen die Flächennutzung weiter ergänzen.

Die Hamburgische Stiftung Baukultur und das Zentrum für Zukunft, ein Zusammenschluss von Initiativen, Vereinen und Akteur*innen aus dem Gemeinwesen, Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich bringen die Diskussion über Fragen der künftigen Stadtentwicklung in die Immobilie. Ziel ist ein ergebnisoffener, partizipativer Prozess zur (Um-)Nutzung der beiden leerstehenden Immobilien von Karstadt Sports und Kaufhof. Gemeinsam mit der Stiftung MUT – Urban Trust und dem offenen Kollektiv LU’UM wurde eine Bürogemeinschaft für Initiativen und Aktivist*innen aus Hamburg, eine Veranstaltungsfläche für urbanen Diskurs und das sog. KOL[LABOR] mit selbstverwalteten Arbeitsplätzen eingerichtet, für deren kostenfreie Nutzung sich Interessierte über einen Open Call bewerben können.

Das gesamte Gebäude ist täglich von 15 bis 23 Uhr zugänglich – ein großartiger Blick von der Dachterrasse über die Hamburger Innenstadt und die Alster inklusive!

Weitere Infos zum Projekt finden sich hier.

© Nina Hangebruch / ILS

© Nina Hangebruch / ILS

© Nina Hangebruch / ILS

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© Nina Hangebruch / ILS

© Nina Hangebruch / ILS

© Nina Hangebruch / ILS

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© Nina Hangebruch / ILS

© Nina Hangebruch/ILS

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Wie sieht es bei Ihnen aus?

Die Umfrage des Monats möchten wir regelmäßig nutzen, um mit Ihnen in Kontakt zu bleiben. Es erwarten Sie in jedem Newsletter 2-3 kurze Fragen und vorgegebene Antwortmöglichkeiten. Im nächsten Newsletter stellen wir dann jeweils die Ergebnisse der zurückliegenden Umfrage vor. So bleiben Sie stets auf dem Laufenden, was in den anderen Kommunen im Land passiert!

Bitte geben Sie eingangs an, aus welcher Kommune Sie kommen und für welche Objekte Transformationsbedarf besteht. Diese Informationen nutzen wir intern, um Ihre Antworten zuzuordnen, insbesondere dann, wenn mehrere Personen aus einer Kommune an unserer Umfrage teilnehmen.

    Aus welcher Kommune kommen Sie?

     

    Für welche Immobilie in Ihrer Kommune sehen Sie vordringlich Transformationsbedarf? (Objekt A)

    Zu Objekt A:
    Bekommen Sie für dieses Objekt eine Förderung aus dem Sofortprogramm?

    Zu Objekt A:
    Wie weit ist die Umnutzung in Ihrer Kommune bereits vorangeschritten?
    Bitte nur eine Antwortmöglichkeit angeben.

    Zu Objekt A:
    Wird bzw. wurde die Zeit des Leerstands mit einer Zwischennutzung überbrückt?
    Mehrfachnennungen sind möglich.

     

    Für welche Immobilie in Ihrer Kommune sehen Sie darüber hinaus Transformationsbedarf? (Objekt B)

    Zu Objekt B:
    Bekommen Sie für dieses Objekt eine Förderung aus dem Sofortprogramm?

    Zu Objekt B:
    Wie weit ist die Umnutzung in Ihrer Kommune bereits vorangeschritten?
    Bitte nur eine Antwortmöglichkeit angeben.

    Zu Objekt B:
    Wird bzw. wurde die Zeit des Leerstands mit einer Zwischennutzung überbrückt?
    Mehrfachnennungen sind möglich.

     

    © Nina Hangebruch/ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    Neuigkeiten aus dem hohen Norden

    Das ehemalige Kaufhof-Warenhaus an der Hamburger Mönckebergstraße, 1913 nach den Entwürfen von Fritz Höger als Kontorhaus für die Wollhandelsfirma Wilhelm Klöpper errichtet, wurde von Tishman Speyer für einen Value-Add-Fonds erworben. Die 1965 als Warenhaus umgebaute und bis 2020 von Kaufhof genutzte Immobilie mit der denkmalgeschützten, aber sanierungsbedürftigen Fassade liegt unmittelbar gegenüber des ebenfalls 2020 aufgegebenen Karstadt-Sports-Hauses am Eingang der Hamburger Innenstadt gegenüber vom Hauptbahnhof. Es ist geplant, die Immobilie für Büros, Einzelhandel, kulturellen Nutzungen und ggf. auch Wohnen umzubauen. Der Kaufpreis soll lt. einem Bericht der Immobilien Zeitung vom 05.05.2022 bei mehr als 180 Mio. Euro liegen.

    Derzeit wird das Gebäude im Erdgeschoss als Schnäppchenmarkt zwischengenutzt. Im Untergeschoss ist die Ausstellung The Mystery of BANSKY: A Genius Mind zu sehen. Sie zeigt noch bis zum 3. Oktober mehr als 150 Werke der Street-Art-Ikone und eine spannende Videodokumentation.

    Weitere Informationen finden Sie hier.

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

    © Nina Hangebruch / ILS

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    © Sparda Bank Berlin e. G.

    © Sparda Bank Berlin e. G.

    Resiliente Innenstadtzentren

    Resilient Inner Cities – Conditions and Examples for the Transformation of Former Department Stores in Germany – unter diesem Titel ist im Juli 2022 ein Artikel von Nina Hangebruch und Frank Othengrafen in der Zeitschrift Sustainability veröffentlicht worden. Die Autor*innen übertragen das Konzept der urbanen Resilienz auf die Innenstadtentwicklung und prüfen anhand verschiedener Redevelopments von Kauf- und Warenhäusern, welchen Beitrag die Transformation der Immobilien zu einer resilienten Neuausrichtung des innerstädtischen Nutzungsgefüges leistet.

    Der Artikel ist unter diesem Link kostenfrei zugänglich.

    © AdobeStock_213480180

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    Ihre Ansprechpartnerinnen

    Sie möchten uns Feedback zum ersten Newsletter geben? Sie haben Beratungsbedarf zur Umnutzung einer großen Handelsimmobilie in Ihrer Kommune und denken, dass Ihre Frage auch für andere Kommunen interessant sein könnte und in größerer Runde diskutiert werden sollte? Dann melden Sie sich gern bei uns!

    Nina Hangebruch ist Dipl.-Ing. Raumplanung und seit Anfang 2022 im ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung für alle Projekte rund um die Transformation großer Einzelhandelsimmobilien zuständig. Mit ihrem Erfahrungsschatz fällt ihr immer ein spannendes Projekt ein, wenn es um interessante Referenzen und Vorbilder geht.
    E-Mail: nina.hangebruch@ils-forschung.de

    Judith Artmann ist Referentin im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung Nordrhein-Westfalen und koordiniert seit Januar 2021 die Landesinitiative Zukunft. Innenstadt. Nordrhein-Westfalen. In diesem Netzwerk arbeiten drei Landesministerien und 13 Partnerinstitutionen gemeinsam an der Stärkung der Innenstädte und Zentren.
    E-Mail: judith.artmann@mhkbd.nrw.de

    Nina Heming und Laura Steggemann sind Projektmanagerinnen bei der IMORDE Projekt- und Kulturberatung GmbH, die die Geschäftsstelle des Netzwerk Innenstadt NRW inne hat. Das Netzwerk Innenstadt NRW ist eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft von derzeit 172 nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden. Seit 2020 betreut das Netzwerk Innenstadt unter anderem den Erfahrungsaustausch zum Thema Handelsgroßimmobilien.
    E-Mail: heming@innenstadt-nrw.de bzw. steggemann@innenstadt-nrw.de