Veröffentlicht am: 8. Oktober 2026

Europäisches Forschungsprojekt STARTUP tagt in Madrid: Endspurt für Fallstudien und Start der Praxistrials

Vom 29. September bis zum 3. Oktober 2026 kamen die Partnerinnen und Partner des europäischen Forschungsprojekts STARTUP in der spanischen Metropole Madrid zu ihrem nächsten internationalen Konsortiumstreffen zusammen. Nach den vorangegangenen Stationen in Stockholm, Dortmund und der Slowakei bildete die Tagung in der spanischen Hauptstadt, ausgerichtet von der Universidad Complutense de Madrid (UCM) gemeinsam mit dem kreativen Kollektiv Zuloark, eine maßgebliche Weichenstellung für die zweite Halbzeit des Projekts.

Blick auf die Erhebungs und Peer-Review-Phasen

Zu Beginn der intensiven Arbeitssitzungen standen die vorläufigen Ergebnisse aus Arbeitspaket 3 (WP3: „Local workshops, open science peer review and final case study reports“) im Fokus, dessen wissenschaftliche Leitung beim ILS liegt. Die Projektpartner blickten gemeinsam auf die empirisch intensiven Erhebungs- und Peer-Review-Phasen der letzten Monate zurück, in deren Rahmen die sogenannten Local Cultural Praesidia (LCP), die kleinteiligen kulturellen und kreativen Ankerpunkte in den acht beteiligten europäischen Partnerstädten eingehend kartiert, befragt und in ihrer Quartierswirkung analysiert wurden. Die Präsentationen verdeutlichten die hohe Qualität des zusammengetragenen Datenmaterials, machten aber gleichzeitig klar, dass das Konsortium nun unmittelbar in den zeitkritischen Endspurt einbiegt: Bis Ende Dezember müssen die umfassenden Case Study Profiles, welche die Gesamtheit der einzelnen LCP-Profile sowie deren wissenschaftliche und praxisbezogene Gesamteinschätzungen bündeln, final fertiggestellt und abgegeben werden.

Workshop-Sessions zu den anlaufenden Arbeitspaketen

Neben der Koordinierung dieser intensiven Schlussphase von WP3 richtete sich der Blick in Madrid aber auch bereits strategisch auf die nachfolgenden sowie parallel anlaufenden Arbeitspakete. In vertiefenden Workshop-Sessions wurden die Zielsetzungen und Schnittstellen der Arbeitspakete 5, 6 und 7 eingehend vorgestellt und im Plenum diskutiert: WP5 („Spatial processes, urban design and reuse practices“) beleuchtet die räumlichen Transformationsprozesse, die gestalterischen Ansätze sowie die nachhaltigen Umnutzungspraktiken urbaner Orte; WP6 („Governance, policy and open science“) analysiert die steuerungspolitischen Rahmenbedingungen, entwickelt Policy-Empfehlungen und verankert Open-Science-Prinzipien im Forschungsprozess; und WP7 („Common indicators, comparative analysis, cross-evaluation and effect evaluation methodology“) erarbeitet einheitliche Indikatorensets, komparative Querschnittsanalysen sowie eine tragfähige Methodik zur Wirkungsbewertung der Initiativen. Diese Vorstellung des Stands der Arbeitspakete lieferte allen Beteiligten erste Inspirationen, wie aus den einzelnen empirischen Bausteinen schrittweise ein schlüssiges europäisches Rahmenwerk für kultur- und kreativbasierte Stadtentwicklung (Creative Placemaking Framework) entstehen könnte.

Ortsbegehungen und Ouartiersanalysen

Der Donnerstag (1. Oktober) erwies sich als ein besonderes inhaltliches und methodisches Highlight des Treffens, als die Teilnehmenden die akademischen Tagungsräume verließen, um sich in Kleingruppen zu ethnografischen Ortsbegehungen und Quartiersanalysen im Madrider Bezirk Arganzuela sowie im historischen Stadtzentrum aufmachten. Ausgangspunkt und Hauptanlaufstelle dieser Feldforschung war das LCP Infinito Delicias, wo die Forscher*innen und Praxisakteur*innen im direkten Austausch mit den Verantwortlichen und Initiatorinnen vor Ort wertvolle Einblicke in deren alltägliche Arbeit, organisatorische Hürden und Raumansprüche gewinnen konnten. Die Gelegenheit, einen unmittelbaren visuellen und räumlichen Eindruck von der physischen und sozialen Einbettung der Kulturorte in ihrem jeweiligen nachbarschaftlichen Umfeld zu erlangen, vertiefte das qualitative Verständnis für den lokalen Kontext nachhaltiger Quartiersarbeit. Die zahlreichen kollegialen Gespräche und Diskussionen am Rande der Erkundungen stießen auf allen Seiten gegenseitige Inspirationen an und festigten die Vertrauensbasis innerhalb des transdisziplinären Projektteams spürbar.

Wertvoller persönlicher Austausch

Wir haben festgestellt, dass solche internationalen Präsenztreffen trotz des damit verbundenen hohen organisatorischen, finanziellen und zeitlichen Aufwands durch virtuelle Online-Meetings in keiner Weise ersetzt werden können: Erst das gemeinsame Erleben von Räumen, das unvoreingenommene Erfassen lokaler Atmosphären und das informelle Zwischengespräch schaffen jenes gemeinsame implizite Wissen, das für den Erfolg eines komplexen europäischen Verbundprojekts unerlässlich ist. Darüber hinaus bot das Projekttreffen den kreativen Projektpartnern eine ideale Plattform, um das Arbeitspaket 4 („Living Lab Trials“) weiter auszugestalten und praxistauglich zu schärfen. Da in Kürze die zweijährige Phase der experimentellen urbanen Interventionen und „Trials“ in den Partnerstädten startet (teilweise schon begonnen wurde), wurden konkrete Partizipationsformate, künstlerische Aktionen und methodische Ansätze abgestimmt. Ein Praxisbeispiel für eine solche niederschwellige, partizipative Raumgestaltung stellten die Dortmunder Urbanisten vor: Mit ihrem Projekt Bunte Insel zeigen sie auf beeindruckende Weise, wie temporäre grüne Interventionen und kreative Mitmachangebote vormals triste Straßenräume in belebte nachbarschaftliche Begegnungsorte verwandeln und Anwohner*innen aktiv zur Mitgestaltung ihres Lebensumfelds befähigen.

Ortsbegehung in Madrid

Abgerundet wurde die ertragreiche Woche in Spanien durch eine weitere, freiwillige Ortsbegehung am Samstag (3. Oktober), die den Teilnehmenden vertiefende Einblicke in zwei der international renommiertesten Soziokultur- und Innovationszentren Madrids eröffnete: das La Casa Encendida und das Matadero Madrid. Das La Casa Encendida, untergebracht in einem markanten neomudéjaren Gebäude aus dem Jahr 1913 im sozial-kulturell vielfältigen Stadtteil Lavapiés, fungiert als offenes Kultur- und Sozialzentrum der Fundación Montemadrid, das zeitgenössische Kunst, Darstellende Kunst, Umweltbildungsinitiativen und soziale Programme unter einem Dach vereint. Dort fand zu dem Zeitpunkt ein Afrikanisches Festival statt. Das Matadero Madrid wiederum – ein gigantischer, historischer Schlachthof- und Viehmarktkomplex aus den 1920er Jahren direkt am Ufer des Flussraums Manzanares im Bezirk Arganzuela – gilt als eines der weltweit eindrucksvollsten Beispiele für gelungene architektonische Umnutzung (adaptive reuse) und beherbergt heute als weitläufiges Zentrum für zeitgenössische Kreativität Ausstellungsräume, Designlabore, ein Programmkino, Theaterhallen und künstlerische Residenzen.

Mit dem klaren Bewusstsein für den bevorstehenden engen Zeitplan und die anstehenden Abgabefristen zum Jahresende traten wir mit reichlich Rückenwind und frischen Impulsen die Heimreise nach Dortmund an. Die Vorfreude ist bereits groß auf das nächste Konsortiumstreffen, das im Juni 2027 im französischen Straßburg stattfinden wird.

Aktualisiert am: 8. Oktober 2026