STARTUP – Sustainable Transitions. Action Research and Training in Urban Perspective

Celebration in a courtyard

© Marco Polk / die Urbanisten

Städte besser planen durch Kultur und Kreativität

STARTUP ist ein Forschungs- und Innovationsprojekt und wird im Rahmen der Horizon EU-Forschungsförderung zum New European Bauhaus (NEB) gefördert. Das Projekt entwickelt zusammen mit europäischen Partnern Erkenntnisse zur Rolle des kulturellen Erbes und der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Stadtentwicklung.

Das transdisziplinäre Forschungsprojekt untersucht verschiedene Ansätze und Initiativen zur Förderung sozialer und kultureller Innovationen und kreativer Milieus aus einer lokalen, bottom-up Perspektive. Teil des Forschungsprojekts ist die konkrete experimentelle Erprobung von urbanen Interventionen in Dortmund bzw. im Ruhrgebiet und die Gewinnung von Erkenntnissen für eine Stadtentwicklungspolitik, die den Grundwerten des NEB, Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusivität, folgt. ILS Research arbeitet hierfür mit „Die Urbanisten e.V.“, Dortmund, zusammen. Im Projektkonsortium sind wissenschaftliche Partner, Praxispartner und sozio-kulturelle Akteure aus acht europäischen Ländern vertreten, mit Fachexpertisen aus den Bereichen Stadtsoziologie, Architektur, Raumplanung, Geographie, Ökonomie, Design, Kunst und Kultur.

Interview: “Diese Momente, in denen aus Skepsis Interesse wird und aus Beobachter*innen Mitgestaltende – das sind für mich die schönsten.”

Annette Bathen begleitet sie seit Jahren Menschen dabei ihre Nachbarschaft eigenständig kreativ zu gestalten. Sie ist Vorstandsmitglied des Vereins Urbanisten e. V. in Dortmund und berichtet im Interview mit Ann-Christin Kleinmanns (ILS) von ihren Praxiserfahrungen.

Es erschein im ILS-JOURNAL 03/25.

Sie sorgen bei den Urbanisten dafür, dass die Menschen ihren Lebensraum mitgestalten können, eigenverantwortlich und kreativ. Wie unterstützen die Urbanisten diese Entfaltungsmöglichkeiten?

Wir versuchen in all unseren Projekten Menschen zu befähigen, ihr Lebensumfeld aktiv mitzugestalten. In unseren Formaten sensibilisieren wir niedrigschwellig, geben Inspiration und setzen Impulse. Gleichzeitig geht es oft auch darum, ganz konkrete Fähigkeiten zu vermitteln – zum Beispiel in unseren partizipativen Bauworkshops. Durch dieses gemeinsame Handeln und die Begegnung auf Augenhöhe entsteht häufig ein echter Funke – ein Moment, in dem Menschen merken: Ich verändere gerade etwas.

Sie sind dann bei den Veranstaltungen ja ganz nah bei den Menschen vor Ort. Politik und Forschung sind das selten. Welche Entwicklung sehen Sie da, dass Sie sagen: Unsere Arbeit ist und bleibt wichtig?

Unsere Arbeit bleibt wichtig, weil sie Erfahrungsräume schafft. Wir bringen Menschen ins Gespräch und ins Machen – und das ist etwas, was weder Politik noch Forschung in dieser Form leisten können. Es geht um unmittelbare, gelebte Teilhabe. In den letzten Jahren haben wir immer öfter erlebt, dass Forschung ebenfalls die Nähe zu den Menschen sucht und das praktische Wissen „von unten“ als wertvoll anerkennt. Trotzdem braucht es weiterhin Organisationen wie uns, die diese Brücke zwischen Theorie, Verwaltung und Alltagsrealität schlagen – und die Menschen ganz konkret darin unterstützen, ihr Umfeld mitzugestalten.

Welche Aktion oder welches Event ist Ihnen am besten in Erinnerung geblieben?

Das ist schwer zu sagen. Am eindrücklichsten sind für mich Projekte, in denen Menschen, die bisher kaum Berührungspunkte mit nachhaltiger Stadtentwicklung hatten, ins Machen kommen – und sich in einer Gruppe Aktionismus und Begeisterung ausbreiten. Das sind dann oft gar nicht die großen Events, sondern eher die kleinen, praktischen Workshops mit Kindern oder die zufälligen Gespräche mit Anwohnenden in Stadtteilen wie Wattenscheid oder Schalke. Diese Momente, in denen aus Skepsis Interesse wird und aus Beobachter*innen Mitgestaltende – das sind für mich die schönsten.

Wir leben in Zeiten, da sind die meisten Leute gestresst, sehr beschäftigt und wollen ihre Ruhe haben, aber Gestaltung des eigenen Lebensraums fordert Initiative. Wie aktivieren Sie die Leute vor Ort sich wieder kreativ und gemeinsam für ihre Nachbarschaft einzusetzen?

Ich würde die These so pauschal gar nicht unterschreiben. Die meisten Menschen wünschen sich Gemeinschaft und ein schönes Lebensumfeld. Was aber ein schönes Lebensumfeld ist, da sind sich die Menschen in einer Stadt, einem Quartier oder einem Mehrfamilienhaus meistens nicht einig. Wenn wir in einem Quartier starten, ist unsere erste Aufgabe deshalb: zuhören. Wirklich verstehen,was die Menschen bewegt und was sie sich wünschen. Im weiteren Prozess verbinden wir dann das aktive Machen – also Bauen, Gestalten, Pflanzen – mit demokratischen Aushandlungsprozessen, gemeinsamen Planungen, Gesprächen und positiven Gemeinschaftserlebnissen. Natürlich fangen danach nicht alle an, ihre Baumscheibe zu bepflanzen. Aber viele merken: Ich kann hier etwas beitragen, und das fühlt sich gut an.

Jetzt sind Events und Aktionen zeitlich begrenzt. Beobachten Sie in den Vierteln eine nachhaltige Wirkung Ihrer Arbeit?

Ja, auf jeden Fall – auch wenn die Wirkung nicht immer sofort sichtbar ist. Wir erleben oft, dass nach unseren Projekten neue Gruppen entstehen, Kooperationen weitergeführt werden oder Orte dauerhaft anders genutzt werden. Nachhaltige Veränderung braucht Zeit, aber sie kann in diesen Momenten der gemeinsamen Aktivität beginnen. Und wenn ein Projekt das Bewusstsein dafür stärkt, dass Beteiligung wirklich möglich ist, dann wirkt es weit über das Ende eines Workshops oder Projekts hinaus – es inspiriert und bewegt die Menschen langfristig.

Das Interview führte: Ann-Christin Kleinmanns (ILS)

© Urbanisten e. V.

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