Published on: 10. July 2026
Alternative Proteine brauchen funktionierende Wertschöpfungsnetzwerke: Agrarsysteme der Zukunft zeigen innovative Wege zu resilienten Agrar- und Ernährungssystemen
Wie können Agrar- und Ernährungssysteme angesichts von Klimawandel, geopolitischen Konflikten, Lieferkettenrisiken und wachsendem Innovationsdruck resilient gestaltet werden? Die ersten Tagesspiegel Background Fachkonferenz Agrar & Ernährung am 7. Juli widmete sich dieser Frage im Tagesspiegel-Haus in Berlin. Unter dem Leitthema „Gesund und sicher versorgt? Landwirtschaft, Politik und Handel im Stresstest“ diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft über Strategien für eine zukunftsfähige Agrar- und Ernährungspolitik. Die Fördermaßnahme «Agrarsysteme der Zukunft» brachte ihre Expertise mit einem Fachworkshop zu alternativen Proteinen, einem Impulsvortrag sowie innovativen Exponaten aus zwei Forschungskonsortien in die Konferenz ein.
Eröffnet wurde die Fachkonferenz von Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. In seiner Begrüßung unterstrich er die Bedeutung resilienter und sicherer Agrar- und Ernährungssysteme als Grundlage für die Versorgungssicherheit in Zeiten von Klimawandel, geopolitischen Krisen und globalen Lieferkettenrisiken.
Alternative Proteinquellen können einen wichtigen Beitrag zu resilienten Agrar- und Ernährungssystemen leisten. Vor diesem Hintergrund brachte die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Fördermaßnahme «Agrarsysteme der Zukunft» im Rahmen des Workshops Ernährungssouveränität durch alternative Proteine? Herausforderungen und Lösungsansätze im Wertschöpfungsnetzwerk“ Vertreter*innen aus Forschung, Politik, Wirtschaft und Praxis zusammen um konkrete Lösungsansätze für resiliente Agrar- und Ernährungssysteme zu diskutieren. Im Podiumsgespräch brachten Christian Frauenpreiß (Mitglied des Deutschen Bundestages, CDU/CSU), Prof. Dr. Stefan Töpfl (Geschäftsführer der elea Technology GmbH) und Lars Strenge (Geschäftsführer der Peaceful Delicious GmbH) politische, technologische und unternehmerische Perspektiven auf die Entwicklung und Etablierung alternativer Proteinquellen in die Diskussion ein. An interaktiven Thementischen diskutierten die Teilnehmenden konkrete Lösungsansätze, machten Hemmnisse im Protein-Wertschöpfungsnetzwerk sichtbar und skizzierten Strategien für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis. „Nur wenn Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen gedacht werden, können sie den Schritt aus der Nische in die breite Anwendung schaffen und die regionale Ernährungssouveränität stärken.“ Resümieren die Workshopmoderator:innen Prof. Dr. Monika Schreiner vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ), und Prof. Dr. Thomas Weith vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS).
Einen fachlichen Impuls setzte Dr. Ferike Thom, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und Mitglied des Konsortiums food4future, mit ihrem Vortrag „Mehr als satt: Sicher und gesund versorgt – was braucht es?“. Gemeinsam mit Dr. Claudia Huneke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zeigte sie auf, welche Voraussetzungen für eine sichere, gesunde und nachhaltige Ernährung geschaffen werden müssen und welche Rolle Innovationen sowie die Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme für die zukünftige Versorgungssicherheit spielen.
Die Beiträge der Fachkonferenz machten deutlich, dass resiliente Agrar- und Ernährungssysteme nur im Zusammenspiel von Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entstehen können. Genau diesen Ansatz verfolgen die «Agrarsysteme der Zukunft»: In sechs inter- und transdisziplinären Forschungskonsortien entwickeln Wissenschaftler:innen gemeinsam mit Praxispartnern Lösungen, die wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Anwendung bringen und die Transformation des Agrar- und Ernährungssystems unterstützen.
Neben dem Workshop präsentierten die Konsortien CUBES Circle und food4future auf der Ausstellungsfläche innovative Virtual-Reality-Anwendungen. Unter dem Motto „Virtuelle Realitäten für reale Transformation“ lud food4future Besucher*innen zur VR-Erfahrung „Future Food“ ein. Bei CUBES Circle konnten die Teilnehmenden mithilfe von Virtual Reality selbst die Rolle von Landwirt:innen übernehmen und ein nachhaltiges Kreislaufsystem bewirtschaften, in dem Fische, Tomaten und Insekten gemeinsam produziert werden. Die Anwendungen machten komplexe Agrifood-Systeme anschaulich erlebbar und vermittelten innovative Ansätze für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion.
Die Fördermaßnahme «Agrarsysteme der Zukunft» vereint sechs inter- und transdisziplinäre Forschungskonsortien sowie eine Zentrale Koordinierungsstelle. Gemeinsam entwickeln sie Lösungen für faire, resiliente und verantwortungsvolle Agrar- und Ernährungssysteme entlang gemeinsam entwickelter Transformationspfade. Ziel ist es, ökologische Tragfähigkeit, wirtschaftliche Stabilität und soziale Verantwortung miteinander zu verbinden und die Transformation hin zu zukunftsfähigen Agrarsystemen aktiv zu gestalten.

© Jonah Duderstädt
Modified on: 10. July 2026





