Projekt STARTUP – Einblicke in die empirische Phase
Im Jahr 2026 befindet sich das Projekt in seiner zentralen empirischen Phase. Im Fokus stehen dabei sogenannte Local Cultural Praesidia (LCP) – also Orte kultureller Produktion, Begegnung und Nutzung auf lokaler Ebene, die häufig eine wichtige Rolle für Stadtentwicklung und Nachbarschaften spielen. Insgesamt werden 12 bis 15 dieser LCP untersucht, von denen bis zur Jahresmitte bereits etwa die Hälfte analysiert sein soll. Die empirische Arbeit kombiniert verschiedene Methoden: Leitfragengestützte Interviews mit den Verantwortlichen der Einrichtungen bilden das Rückgrat der Untersuchung. Ergänzt wird dies durch fotografische Dokumentationen der Orte (innen wie außen) sowie durch kurze, informelle Gespräche im Sinne der Rapid Appraisal Method mit Anwohnerinnen und Anwohnern, lokalen Gewerbetreibenden sowie Besucherinnen und Besuchern der Einrichtungen selbst.
Parallel dazu erfolgt eine umfassende Desktop-Recherche zu den jeweiligen LCP sowie zu den lokalen und kommunalen Rahmenbedingungen. Dazu gehören auch Gespräche mit Akteurinnen und Akteuren auf übergeordneter Ebene, etwa aus Kulturförderung, Verwaltung oder Planung. Die qualitativen Interviews werden transkribiert, systematisch ausgewertet und entlang analytischer Dimensionen in einer Datenbank strukturiert erfasst, die zusätzlich mit weiteren Informationen aus unterschiedlichen Quellen angereichert wird. Auf dieser Grundlage entstehen zunächst individuelle Profile für jedes LCP, die in Form prägnanter „Steckbriefe“ die zentralen Merkmale, Herausforderungen und Entwicklungspotenziale der Orte bündeln.
Diese Sammlung von LCP-Profilen wird anschließend in einen größeren regionalen Zusammenhang eingeordnet. Im Ruhrgebiet liegt der Fokus dabei insbesondere auf den Untersuchungsräumen Bochum, Gelsenkirchen und Dortmund, deren unterschiedliche Rahmenbedingungen und Entwicklungspfade vergleichend betrachtet werden. Gleichzeitig wird dieser Ansatz in sieben weiteren europäischen Stadtregionen verfolgt, die Teil des Projekts sind, sodass eine vergleichende Perspektive über verschiedene urbane Kontexte hinweg entsteht. Den Abschluss der empirischen Phase bildet ein gemeinsamer Workshop mit den untersuchten LCP, der voraussichtlich im Herbst im Rahmen der Kulturkonferenz Ruhr stattfinden wird und Raum für Austausch, Reflexion und die gemeinsame Weiterentwicklung der Projektergebnisse bietet.
Einige der bisherigen Besuche verdeutlichen, wie unterschiedlich und zugleich lokal verankert diese Orte sind. Beim Wiesmann’s in Wattenscheid wurde eine ehemalige Kneipe in einen kollektiv organisierten Kulturort überführt, der als niedrigschwelliger Treffpunkt dient und von lokalem Engagement getragen wird. Das Projekt „Hier ist nicht da“ in Bochum nutzt hingegen eine umgewidmete Ladenfläche und versteht sich als offene Plattform für Musik, Subkultur und experimentelle Formate, die gezielt zur Mitgestaltung einlädt. In Dortmund steht das Bürgerhaus Dorstfeld für einen stärker etablierten Typus: eine fest im Stadtteil verankerte Einrichtung mit kontinuierlichem Programm und wichtiger sozialer Funktion für die Nachbarschaft.






